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Was will Sozialpädagogik überhaupt?

Eigentlich müsste es heißen “Was wollte Sozialpädagogik eigentlich?”, denn im Rahmen der Schulstrukturreform und der tollen Umwandlung in die “Realschule plus” wird das Wahlpflichtfach “Sopäd” verloren gehen… – aber dennoch – hier die ursprüngliche Idee des Faches:

Fachdidaktische Konzeption

In einer sich fortentwickelnden Gesellschaft unterliegen insbesondere die Bereiche der Strukturen in der Familie, der Erziehung, der Ernährung, der Freizeit, der Kommunikation und der damit verbundenen Medien sowie die Verknüpfungen zur sozialen und natürlichen Umwelt stetigen Veränderungen.

Solche Veränderungen muss die Schule aufgreifen, in den Unterricht einbeziehen und bemüht sein, die Schüler und Schülerinnen auf eine sozial-individual strukturierte Lebenswirklichkeit vorzubereiten. Damit leistet sie ein Stück Hilfestellung zur Daseinsbewältigung für die Schüler und Schülerinnen und will sie zu sozial verantwortlichem Handeln sowie zu Engagement in sozialen Handlungsfeldern führen.

Das Fach Sozialpädagogik ist um individuelle, soziale und berufsorientierte Handlungsmotivation bemüht. Ausgehend von den drei beteiligten Fächern (Sozialkunde, Bildende Kunst und Familienhauswesen) werden besonders sozialpädagogische, sozial-pflegerische, hauswirtschaftliche und gestalterische Berufe ins Blickfeld gerückt.

Darüber hinaus bietet das Fach insbesondere die Möglichkeit einer pädagogisch einfühlsam gesteuerten Persönlichkeitsentwicklung der Realschüler und Realschülerinnen.

Die Leitqualifikation zielt auf die Bereitschaft zu sozial engagiertem Handeln in einer sozialstaatlich orientierten Gesellschaft und gleichzeitig auf die Befähigung, die Entwicklung einer personalen Identität zu unterstützen. Die Vermittlung gestalterischer, produktiver Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Entwicklung und Verstärkung von Fähigkeiten im verantwortungsvollen Umgang mit Menschen sollen darüber hinaus die Schüler und Schülerinnen auf die verschiedensten Berufsfelder vorbereiten, in denen praktisches Können, Eigenständigkeit, Beratungsfähigkeit bis hin zu Führungskompetenzen im Umgang mit Menschen gefordert sind.

In diesem Sinne vermittelt das Fach Sachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz. Ebenso wie die anderen Wahlpflichtfächer der Realschule zielt Sozialpädagogik nicht auf spezielle berufliche Qualifikationen.

Die fachdidaktische Entwicklung des Wahlpflichtfaches Sozialpädagogik als sozialkundlich – künstlerischer – hauswirtschaftlicher Lernschwerpunkt orientiert sich weniger als die bislang in der Realschule eingeführten Lernschwerpunkte an dem traditionellen Fächerkanon:

  • Die Lernziele und Lerninhalte des Wahlpflichtfaches berücksichtigen gesellschaftliche Veränderungen vor allem im Bereich der familialen Strukturen, des sozialen Umfeldes, der Freizeit, der Kommunikation und der beteiligten Medien.
  • Es werden insbesondere Ziele wie Kreativität, wertorientierte Einstellungen und Verhaltensweisen angestrebt, die stärker den berufsfreien Raum umfassen und die in besonderem Maße für zwischenmenschliche Beziehungen und das familiale wie soziale Umfeld von Bedeutung sind.
  • Die Zielsetzung des Lernschwerpunktes ist ein fächerverbindender, integrativer Ansatz, der die fachspezifische Perspektive des Unterrichts für die Schüler und Schülerinnen sinnvoll erweitert.
  • Der für die Klassen 9 und 10 erstellte Lehrplan des Wahlpflichtfachs Sozialpädagogik stellt nicht zuletzt eine weitere Verbindungslinie zu den Wahlpflichtangeboten in den Klassen 7 und 8 her, zu denen u. a. Familienhauswesen, Bildende Kunst/Werken und Technisches Zeichnen gehören.
  • Die Möglichkeit eines Wahlpflichtangebotes Sozialpädagogik mit eigenem Lehrplan ist ebenfalls in dieser Stufe sinnvoll und gegeben.
  • Bei allen Lernzielen ist darauf zu achten, dass die Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern bzw. von Mädchen und Jungen unterschiedlich sein kann und zum Ausgangspunkt des Handelns gemacht werden sollte.

Quelle: Lehrplan Sozialpädagogik (RP – 1999), S. 5-6